Schauspiel Grundlagen – Für eine bessere Stimme und Körperausdruck.

Schauspiel Grundlagen – Für eine bessere Stimme und Körperausdruck.

Die besten pädagogischen Möglichkeiten während einer Anleitung in der Theaterpädagogik bringen nichts, ohne gute Grundlagen im Schauspiel. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, hier einige grundlegenden Tipps für das Schauspiel aufzuschreiben.

Im Theater stehen dem Schauspieler zwei Medien zur Verfügung, mit denen er sich ausdrücken kann: (1) Körper und (2) Stimme. Dies unterscheidet sich von anderen Künste wie: Tanz („nur“ Körper), Zirkus (Körper und artistisches Objekt) oder Malerei (Pinsel und Leinwand). Natürlich gibt es auch viele andere Möglichkeiten, wie Licht, Ton, Video und usw. Dies ändert aber nichts am grundlegenden Werkzeug, das dem Schauspieler zur Verfügung steht. Und darum geht es hier!

Die Stimme im Schauspiel

Um sprechen zu können, braucht der Mensch Luft. Die Lungen pressen die Luft die Stimmbänder, die einen Ton erzeugen. Neben dem Zusammenspiel zwischen Stimmbändern und Atmung braucht es dann noch Mund, Nase und Rachenraum, um zu sprechen.

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen auf der Bühne zu leise sprechen. Das liegt daran, dass sie das Zusammenspiel von Lunge und Stimmbänder, um Worte auszudrücken, noch verbessern können. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, lauter zu sprechen. Deutliche Aussprache und das richtige Atmen kann Wunder vollbringen und schont die Stimme.

Aus dem Bauch sprechen

Für eine klare Stimme empfiehlt es sich zunächst darauf zu achten, ob die Person überhaupt aus dem Bauch atmet, oder weiter oberhalb atmet. Wird der Brustkorb mit Luft gefüllt, wird die Stimme wesentlich heller. Um sich das Atmen aus der Brust abzugewöhnen, gibt es eine weitere einfache Übung:

Im Liegen oder Stehen und lege ich meine Hand auf den Bau. Dann atme ich bewusst in den Bauch und spüre die Hebung und Senkung meines Bauches. Dann unterhalte ich mich mit einer Person. Über den Mund atme ich ein.

Den Grundton der Stimme finden

Den Grundton seiner Stimme zu finden, ist wichtig. Da er zum einen die Stimme schont, und zum anderen die Stimme natürlicher klingt. Um den Grundton seiner Stimme zu finden, gibt es eine einfache Übung:

Ich denke an mein Lieblingsgericht, während meine Stimmbänder mit geschlossenem Mund Vibrieren und ich ein „mmmmmhhhh“ von mir gebe. Dann wiederhole ich das noch einmal und sage dabei: „mmmmhhhh, mein Lieblingsessen“. Der Satz mein Lieblingsessen wird dann im natürlichen Grundton ausgesprochen.

Übertriebene Artikulation

Um die Aussprache zu verbesser, gibt es mehrere Methoden. Zum einen kann ich eine Szene gezielt übertrieben artikulieren. Eine zweite Möglichkeit gibt es in der Korken-Übung. Hierzu spreche ich eine Szene mit einem Korken im Mund. Der Korken bewirkt, dass ich übertrieben artikulieren muss. Es ist also eine Hilfe für die erste Übung. Eine weitere Übung ist das Aussprechen von Zungenbrechern.

Der Körper im Schauspiel

Um den Körper aufzuwärmen, lohnt sich Yoga. Yoga hilft im Körper anzukommen, die Muskeln zu lockern und zu dehnen. Ich selbst mache immer wieder Yoga-Übungen. Gerne auch morgens um wach zu werden und meinen Körper in Bewegung zu setzen. Dabei benutze ich gerne die Yoga-Übungen von Mady Morrison auf YouTube.

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Status im Schauspiel

Status kommt aus dem Improvisationstheater und wird vor allem mit der Körpersprache dargestellt. Schon unscheinbare Bewegungen reichen aus, um eine Wirkung zu erzielen. Das ist auch der Grund, warum wir uns manchmal fragen, weshalb wir eine Person interessant oder sympathisch finden, ohne den genaue Grund nennen zu können.

Eine Unterhaltung wird erst dann richtig interessant und authentisch, wenn zwei Charakteren mit unterschiedlichem Status aufeinandertreffen. Besonders interessant wird es, wenn der gesellschaftlich niedrigere Status dem hören überlegen ist. Also wenn der Kammerdiener einen höheren Status spielt, als der König. Es ist der Kontrast und der Widerspruch, der eine solche Szene interessant werden lässt.

Unterschieden wird zwischen Tief-Status und Hoch-Status. Wie diese unterschiedlichen Staus gespielt werden können, zeige ich an drei Punkten.

Blickkontakt

Mit Blickkontakt ist eine Möglichkeit, Status herzustellen. Dabei kommt es aber nicht auf das bloße Starren an. Das Zurückschauen hebt, oder senkt den Status. Verwunderlich ist, dass es egal ist, ob weggesehen wird, viel wichtiger ist, wer wieder zurückschaut.

Wenn ich also angesehen werde und wegschaue, erhöhe ich damit meinen Status, da ich damit sage, dass du mir egal bist. Wende ich mich der Person, in kurze Zeit wieder zu, nehme ich den Tief-Status ein. Damit signalisiere ich, dass ich es nicht aushalte wegzuschauen. Vielleicht sogar Angst habe.

Entsprechend ist es viel einfacher, einen Charakter hoch erscheinen zu lassen, wenn ich nicht an dem hohen Charakter arbeite, sondern an seinem Umfeld. Wenn alle Figuren um den Mächtigen-Charakter Tief-Status spielen, wirkt der Charakter automatisch Mächtig.

Kopfhaltung

Die Haltung des Kopfes spiegelt den Status wider. Das Wackeln des Kopfes macht den Unterschied. Dabei reichen minimale Bewegungen aus, um eine Wirkung zu erzielen.

Ein leichtes Kopfwackeln senkt den Status, während ein Stillstand des Kopfes Autorität ausstrahlt und somit den Staus hebt.

Was wir von Tieren lernen können

Tiere assoziieren in unseren Köpfen Charaktereigenschaften. Schau dir nur König der Löwen an, oder das Dschungelbuch. Der Löwe ist der Herrscher im Tierreich, die Schlange ist hinterlistig und Balu der Bär ist stark.

Tiere schreiben wir also bestimmte Eigenschaften zu. Dies kannst du dir zunutze machen, in dem der Schauspieler einer Rolle den Charakter eines Tieres zuordnet. Das Tier spielt der Schauspieler für eine weile. Er soll sich in den Charakter des Tieres ganz hineinversetzten. Hierzu helfen Fragen wie:

  • Wie bewegt sich das Tier vorwärts?
  • Wie isst das Tier?
  • Ist das Tier ein Räuber, oder ein Jäger?
  • Wie Schläft das Tier?

Die Liste kann noch mit vielen weiteren Fragen ergänzt werden. Die Fragen werden gestellt, während der Schauspiel sich dabei im Raum bewegt. Er bewegt sich also wie das Tier voran, isst wie es, schläft usw.

Wenn der Schauspieler das Tier verinnerlicht hat, wechselt er langsam zurück zur menschlichen Gestalt. Wenn die Übung geklappt hat, bewegt sich der Schauspieler nun wie der Charakter des Tieres. Ein weiterer Vorteil dieser Übung ist, dass sich der Schauspieler nur an das Tier erinnern muss, wenn er mit seiner Körperhaltung den Charakter seiner Rolle spielt.

Fazit

Der Schauspieler an sich, hat zwei Möglichkeiten sich auf der Bühne auszudrücken. Die Stimme und der Körper. Die hier vorgestellten Möglichkeiten sind nur wenige Übungen, um das Schauspiel zu verbessern. Bis Körper und Stimme komplett ausgereizt sind, dauert es in der Regel Jahre und braucht eine komplette Schauspielausbildung.

Dennoch hoffe ich, dass ich dir mit diesen Übungen grundlegende Handwerkszeuge mitgeben konnte, um das Schauspiel deiner Teilnehmenden zu verbessern. Grundlegendes, wie Gruppenverhalten und Gruppendynamik sollte dennoch immer beachtet werden.

Solltest du noch weitere Fragen haben, wie du das Schauspiel deiner Teilnehmenden verbessern kannst, schreibe mir gerne in den Kommentaren und ich schaue was ich tuen kann.

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Johnstone, Keith. (2018) Improvisation und Theater. 14. Auflage. Berlin: Alexander Verlag.

In diesem Buch beschreibt Keith Johnstone Grundlagen der Improvisation. Er gilt als maßgeblicher Erfinder des Improvisationstheaters.
Das Buch beinhaltet unter anderem die Themen: Status, Spontaneität, Erzähltechniken und die Arbeit mit Masken im Theater.

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