Nach dem Lockdown und jetzt?

Nach dem Lockdown und jetzt?

In der Corona-Krise haben wir uns alle schnell umstellen müssen. Und müssen es auch heute noch. Denn nur weil die Fälle gesunken sind, heißt das noch lange nicht, dass alles vorbei ist.

Mit diesem Artikel versuche ich auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse zu ermitteln, wie wir in naher Zukunft Menschen bei der Überwindung der Corona-Krise helfen können und wie das umgesetzt werden kann, bzw. welchen Herausforderungen wir uns hier stellen müssen.

Photo by Andy Falconer on Unsplash

Corona in der Schule

Home-Schooling hat uns gezeigt, dass Schule Kinder kaum auf ein eigenständiges Lernen vorbereitet. Vielen Schülern fiel es schwer sich den Lehrstoff eigenständig beizubringen. Die 3–4 Montage Schulbeschränkungen stellten Schüler, Eltern und Lehrer vor großen Herausforderungen. Diese zeigten, dass Schule noch weit entfernt von Digitalisierung sind und waren ein Brennglas für Bildungsungleichheiten. Schüler mussten sich die Computer teilen, saßen in beengten Räumen und konnten von Eltern, deren Bildung nicht sehr hoch ist, kaum unterstützt werden.

Gleichzeitig konzentrierte sich die Schule auf die Kernfächer und versuchte Bildungslücken bestmöglich aufzufangen, sodass aus der Pandemie-Krise keine Bildungs-Krise wird. Die Lehrer waren dabei oft überfordert und mussten hierbei ihre privaten Krisen und die ihrer SchülerInnen meistern. Eine Aufgabe, die nahezu unmöglich ist. Gleichzeitig sind weitere Ziele der Schule, wie Erziehung und Betreuung zu kurz gekommen. Eine ganzheitliche Bildung wird erschwert.

Schuld hat daran niemand. Nicht die Lehrer, die Eltern oder das Bildungssystem. Ich möchte hier nichts schlecht reden (schreiben) mir geht es darum, aus der Vergangenheit zu lernen.

Photo by Dylan Ferreira on Unsplash

Die Grenzen der Digitalisierung

Wir haben alle versucht so viel wie möglich digital durchzuführen und werden hier wohl noch lange nicht zur Normalität zurückkommen können. Die digitale Auseinandersetzung ist weiterhin nötig. Wie ein Theaterkurs digital umgesetzt werden kann, erfährst du hier.

So zeigen erste Ergebnisse der COPSY-Studie, das gerade Jugendliche das Handy für den Kontakt zu ihren Freunden nutzen. Ein Bereich, der sehr wichtig für Kinder und Jugendliche ist und sie sich um ihre Beziehungen sorgen. Dabei kann das Handy Fluch und Segen zugleich sein. Denn die Folgen von zu vielem Handy-Konsum sind ebenfalls bekannt. Aber was will man machen? Auf die Studie gehe ich weiter unten näher ein.

Das Digitale kann auch nicht den privaten Kontakt ersetzen. Gerald Hüther hatte mal in einem Interview gesagt, dass wir nicht allein Lernen können. Wir lernen nur zusammen! Wir können also allein auswendig lernen, aber nur zusammen lernen und das Gelernte verfestigen. Das erkennst du ganz schnell, wenn du dir mal bewusst wirst, was du dir selbst beigebracht hast. Ohne eine andere Person. Reduzierst du dein Können und Wissen auf das, was du dir selbst beigebracht hast, wirst du nicht mal laufen können.

Und genau so ist es auch mit gesellschaftlichen Umgang. Um im Laufe deines Lebens einen gesellschaftlichen Umgang zu lernen, musst du dich in verschiedenen Rollen wahrnehmen. Im Alltag bedeutet dies, dass du zu Hause das Kind deiner Eltern bist, im Unterricht der Schüler der Lehrerin/ des Lehrers und in der Pause die Freundin/ der Freund deiner Mitschüler. Was bleibt hiervon im Home-Schooling noch übrig und wie vermischt sich das alles, wenn deine Eltern dich als Kind und SchülerIn gleichzeitig wahrnehmen?

Photo by Irina Murza on Unsplash

Das Wohlbefinden von Kinder während COVID-19

Die UKE-Hamburg veröffentlichte in einer Pressemitteilung die ersten Ergebnisse der COPSY-Studie. Sie untersuchte die psychischen Folgen von ca. 1500 Kinder und Jugendlichen im Alter von 11–17 Jahren und befragten hierzu auch ihre Eltern. Die Untersuchung fand im Zeitraum vom 26.05.2020 bis 10.06.2020 Bundesweit statt. Ziel der Studie ist eine Evaluation des psychischen Zustands und des Wohlbefindens von jungen Menschen in der Corona-Krise. Die Ergebnisse wurden mit den Ergebnissen vorheriger Untersuchungen, die vor der Krise gemacht wurden, verglichen.

Die Ergebnisse sind unter anderem, dass sich 3/4 der Kinder stark belastet fühlen. 2/3 gaben an, dass sie in der Corona-Krise eine geminderte Lebensqualität und Psyche hätten. Vor der Krise hätten hier nur 1/3 dies angegeben.

Ca. jedes dritte Kind würde psychische Auffälligkeiten vorweisen, vorher war es jedes fünfte.

Hinzu kommt, dass die Kinder mehr Ängste und Sorgen hätten. Auffällig waren auch eine Anhäufung von Gereiztheit und Schlafstörungen. Sowie mehr Streitigkeiten in der Familie und mit Freunden.

Mit eines der größten sorgen war das fehlende Treffen mit Freunden. Dieser Missstand in der Lockdown-Phase wurde von nahezu allen Befragten geäußert.

Dass es hier zu einer Erhöhung des Anstiegs der Belastungen kommen würde, wurde erwartet. Aber, dass die Ergebnisse so eindeutig waren, war dann doch verwunderlich. Auch wurde in der Pressekonferenz betont, dass diese Ergebnisse nicht Manifest sein müssten. Die psychischen Auffälligkeiten könnten sich noch verbessern. Um junge Menschen hier zu unterstützen, empfiehlt die Studie Maßnahmen zur Stärkung der Peer-Groups und aktive Hilfeangebote für die Kinder, Jugendlichen und ihre Eltern. Besonders die Eltern sind hier ein wichtiger Faktor, da Eltern, die gut mit der Krise umgehen konnten, die Kinder weniger belastet waren. In der Pressekonferenz brachten sie das schon auf einen Punkt mit dem Satz „starke Eltern, starke Kinder“.

Eines meiner Projekte vor Corona

Corona und die Kulturpädagogik tun, was jetzt?

Wir werden auf Online-Angebot nicht verzichten können. Denn der Raum, der zur Verfügung steht, reicht nicht aus, um die Bedarfe zu decken. Nur Online ist aber auch keine Lösung, wie ich oben schon erläutert habe.

Ich halte daher eine Mischlösung für das Beste. Wir müssen Online und Offline miteinander verbinden. Kulturelle Bildungsprojekte die hier schon Angebote gemacht habe, sehen dabei folgende Schwierigkeiten.

Die Eltern sind mehr und mehr überfordert bei der Unterstützung von Online-Angeboten, Schule und Geschwistern. Hinzu kommt, dass die Teilnehmenden online ausklinken. Es sich schwierig beide mitzunehmen. Wir müssen uns überlegen, wie unsere kulturellen Angebote beide ansprechen können. Die Kooperationen mit Schulen und andere Institutionen sind in dieser Zeit ziemlich schwierig aber genauso wichtig wie zu vor, wenn nicht noch wichtiger.

Die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen halte ein zwei schneidiges Schwert. Zum einen kann eine Auseinandersetzung heilend sein und zum anderen ist hierdurch auch eine Retraumatisierung nicht auszuschließen. In Bezug auf die COPSY-Studie halte ich daher den Fokus auf das reine Zusammensein besser. Den gemeinsamen Umgang stärken mit der Peer-Group, oder auch im Familienverband, also Eltern-Kind Angebote. Hier könne sich die Teilnehmenden dann auch im Umgang mit ihren Gefühlen auseinandersetzen und versuchen ihre psychischen Auffälligkeiten zu verarbeiten und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Das sollte aber eher nebenbei laufen und freiwillig: Also schauen, was von den Teilnehmenden kommt und hier nicht hinterfragen oder nachfragen. Denn kulturelle Bildung kann die Psyche verbessern, aber wir sind keine Therapeuten!

welche Erfahrungen gast du bisher mit der Krise gemacht? Teile es mit uns unten in den Kommentaren.

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