Gemeinsamkeiten in der Kulturpädagogik und der Sozialen Arbeit
Eine Glühlampe wird im Sonnenuntergang gehalten.

Gemeinsamkeiten in der Kulturpädagogik und der Sozialen Arbeit

Es bedarf mehr Kulturpädagogik in der Sozialen Arbeit

Mit diesem Beitrag versuche ich die Gemeinsamkeiten der Kulturpädagogik und der Sozialen Arbeit herauszuarbeiten. Denn in meinem Studium der Sozialen Arbeit habe ich den Eintrug, dass die kulturelle Bildung, bzw. ihre Möglichkeiten, im Studium nicht genügend Beachtung erhalten. Daher hat dieser Text die Herausforderung einen kleinen Teil beizutragen um diesen Umstand zu beheben. Die Aussagen in diesem Text beruhen auf meinen Erfahrungen, aber vor allen aus folgenden Quellen: „Hand in Hand. Soziale Arbeit und kulturelle Bildung“ und dem Text „Kunst oder Sozialarbeit? Eckpunkte eines neuen Beziehungsgefüges zwischen Sozialer Arbeit und Kulturarbeit“. Im Gegensatz zu den beiden Quelltexten soll es sich hierbei jedoch nicht um eine wissenschaftliche Arbeit handeln. Es geht mir mehr darum, aufzuzeigen, dass es eine Verbindung zwischen der Kulturpädagogik und der Sozialen Arbeit gibt und zu mehr gemeinsamen Projekten anregen.

Nachdem ich die Gemeinsamkeiten zwischen Sozialer Arbeit und kultureller Bildung aufgezeigt habe, erläutere ich die gemeinsamen Ziele. Die hier aufgeführten Beispiele sind rein fiktiv und dienen zur Verdeutlichung der theoretischen Aussagen.

Gemeinsamkeiten zwischen Sozialer Arbeit und Kulturpädagogik

Mehrere Hände liegen gemeinsam übereinander.

Die Sozialpädagogin, der Sozialpädagoge unterstützt den Menschen bei der Bewältigung seines Alltags. Als Alltag bezeichnet die Soziale Arbeit den täglichen verlauf des Lebens. Dieser Verlauf kann sich für Menschen als sehr Schwer herausstellen. Zum Beispiel, wenn eine Person Drogen nimmt, oder die Person arbeitslos ist, oder es viel und oft Streit in der Familie gibt. Zur Unterstützung der Personen kann die Persönlichkeit der Menschen so gestärkt werden, dass diese in die Lage versetzt werden, den Alltag zu bewältigen. Dem Menschen, der den Alltag nicht mehr bewältigen kann, da er süchtig ist nach Drogen, kann also so unterstützt werden, dass er den Alltag ohne Hilfe meistert. Dabei spielt es keine Roll, ob der Mensch noch weiter Drogen nimmt oder nicht. Ein Entzug ist also nicht immer zwingend notwendig. Wichtig ist, dass die Person wieder allein seinen Alltag bewältigen kann.

Den Menschen unterstützen

In der kulturellen Bildung soll der Mensch in der Auseinandersetzung unterstützt werden. Die kulturelle Bildung fördert also die Wahrnehmung mithilfe von ästhetisch-künstlerischen Formen und symbolischen Ausdrucksmöglichkeiten. Soll bedeuten: Wenn ich Theater spiele, kann ich meine Umwelt aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen und mir damit ein besseres Bild meiner Person und ihren Standpunkt in der Gesellschaft herstellen. Oder: Wenn ich Zirkusspiele habe ich die Möglichkeit meinen Körper besser wahrzunehmen. Gleiches gilt auch für die Ausdrucksmöglichkeit. Wenn ich zu einem bestimmten Stück eine Zirkusaufführung aufführen möchte, müssen meine Teilnehmenden und ich sich intensiv mit dem Thema des Stücks beschäftigen. Auch hier findet die Auseinandersetzung mit dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven statt.

Individuelle Unterstützung

Die kulturelle Bildung zielt also auf Wahrnehmung ab und ermöglicht damit dem Teilnehmenden die Subjektwerden. In unserem Beispiel des Drogenabhängigen bedeutet dies, dass der Mensch erst mal eine Bestandsaufnahme seiner Selbst erstellen muss. Er muss erkennen, dass der Konsum von Drogen ein Problem darstellt, welches es ist, und die Ursache dieses Problems erkunden. Die Soziale Arbeit führt hierfür Gespräche mit der Person, sie stellt eine Diagnose. Für eine Erweiterung dieser Möglichkeiten kann die kulturelle Bildung weiter helfen. Kulturelle Bildung kann die Ressourcen und das Humankapital erweitern. Der Drogenabhängige kann also erkennen, zu was er alles imstande ist. Das Theaterspiel erlaubt ihn vergangene Erlebnisse zu verarbeiten (Vorsicht: Dies sollte immer in Begleitung mit Psychologen stattfinden und mit Bedacht angegangen werden) oder im Partnerspiel mit Zirkuskünsten den Freundeskreis erweitern. Damit kann die Kulturpädagogik die Soziale Arbeit bei der Diagnose und der Behandlung unterstützen.

Gemeinsam in der Jugendarbeit

Die stärksten Gemeinsamkeiten beschreibt Frau Heinrich in ihrem Beitrag (Kunst oder Sozialarbeit? Eckpunkte eines neuen Beziehungsgefüges zwischen Soziale Arbeit und Kulturarbeit) wie folgt:

  • Bezug zu den Künsten
  • Stärkenorientierung
  • Interessenorientierung und der Lebensweltbezug
  • Forderung der Selbstwirksamkeit
  • Partizipation und Freiwilligkeit
  • Diversity-Prinzip

Diese Gemeinsamkeiten finden vor allem in der Jugendarbeit statt. Denn gerade Jugendliche greifen immer mehr auf die Möglichkeiten kultureller Ausdrucksformen zurück. Dies hat auch schon die Soziale Arbeit erkannt, weshalb es durchaus einige gemeinsame Projekte gibt. Jedoch werden diese meistens von externen Dienstleistern durch geführt. Aus meinen Erfahrungen weiß ich jedoch, dass zumeist ein Projekt über einen Zeitraum von einigen Wochen stattfindet, weil diese Projekte von externe Dienstleistern durchgeführt werden. Zum Beispiel, ein Zirkusverein bietet ein Projekt für einigen Wochen in einer sozialen Einrichtung an. Die Multiprofessionelle zusammen Arbeit ist zwar Alltag in der Sozialen Arbeit. Jedoch profitieren die Teilnehmenden nur an Kulturprojekten, wenn diese langfristig durch geführt werden. Was aber selten der Fall ist, wenn externe Dienstleister ein kulturpädagogisches Projekt in einer Einrichtung durchführen. Sonsten ist es nur ein schöner Spaß, mit geringer pädagogischer Förderung.

Gemeinsame Ziele

Erfolg, Ziele
Zwei Frauen stehen auf einem Berg und schauen in den Sonnenuntergang. Dabei halten sie die Daumen hoch.

Soziale Arbeit soll unter anderem die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen. Denn Kultur lehrt uns die allgemeinen Normen der Gesellschaft und ermöglicht uns gleichzeitig diese zu hinterfragen. Ein Theaterstück kann zum Beispiel mehrere gesellschaftskritische Themen behandeln. Das Lernen von Akrobatik ermöglicht mir meinen Körper besser kennenzulernen. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen sich nicht korrekt gerade halten können, bzw. ihnen das Körpergefühl fehlt, um selbst festzustellen, wann ihre Haltung gerade ist und wann nicht. Kulturelles Leben ist damit nicht nur förderlich für den Geist (erleben von Normen und das kritische Hinterfragen dieser Normen), sondern fördert auch die körperliche Gesundheit. Zusammengefasst gesagt: Kulturpädagogik fördert Körper und Geist. Lies hierzu auch die Beiträge: Ziele der Theaterpädagogik

Ressourcen

Ein weiteres gemeinsames Ziel ist die Erweiterung und der Ausbau von Ressourcen. Sowohl die Soziale Arbeit, als auch die Kulturpädagogik fördern Teilhabe. In der Sozialen Arbeit werden Disparitäten (Ungleichheiten) zwischen den gesellschaftlichen Schichten mit Zugängen unterschiedlicher Ressourcen beschrieben. Beispielsweise kann eine wohlhabende Familie die Bildung ihrer Kinder mit bezahlter Nachhilfe besser fördern, als eine Familie, die am Existenzminimum lebt. Kulturpädagogik ermöglicht Begegnungen zwischen den Schichten (die in der Regel sonst nicht stattfinden), gleichzeitig ermöglichen beiden die Förderung einer ganzheitlichen Bildung (Definition: „Der Begriff ganzheitliche Bildung steht allgemein für einen umfassenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er sowohl seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten als auch seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert.“ [Wikipedia]). Das Empowermentkonzept baut auch auf Ressourcen auf. Darüber hinaus kommt dieses Konzept aus der Sozialen Arbeit

Ein Recht auf kulturelle Bildung

Soziale Arbeit und Kulturpädagogik sind aber auch gesetzlich verbunden. Nach § 11 SGB VIII hat jedes Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener ein Recht auf kulturelle Teilhabe. Dieses Recht beruht auch auf einer gesellschaftlichen Teilhabe. Letzteres ist aber ohne kulturelle Teilhabe nicht möglich. Das bedeutet, wenn ich mir keinen Ausflug ins Theater, Zirkuszelt, Kneipe, Kino usw. leisten kann, oder ich mir den Musikunterricht nicht leisten kann, muss die kulturelle Teilhabe anders ermöglicht werden. Ich bin mir zwar bewusst, dass dies allein die Disparitäten nicht abschaffen wird. Aber ich bin überzeugt, dass die Kulturpädagogik diese zumindest verringern.

Soziale Arbeit und Kulturpädagogik setzten an den Ressourcen der Menschen an. Entwickeln diese weiter und schaffen neue. Damit erfüllen sie ihre Ziele, indem sie die Autonomie und Selbstbildung des Individuums stärken. So ermöglichen beide eine individuelle Förderung der Menschen und ihrer vielfältigen Lebensentwürfe. Wichtig ist, dass die kulturellen Ausdrucksformen und Möglichkeiten der pädagogischen Professionen dynamisch bleiben, um jeden Einzelnen bestmöglich erreichen zu können. Ich sehe in beiden Professionen diese Dynamik.

Was braucht es also?

Ich wünsche mir mehr Überschneidungen. Ich wünsche mir mehr Sozialpädagogen in kulturellen Einrichtungen, die eine professionelle Unterstützung der Teilnehmenden ermöglichen. Wir brauchen zielgerichtete Angebote kulturpädagogischer Einrichtungen. Gleichzeitig sollte die quantität und quallität kulturpädagogischer Angebote in den pädagogischen Ausbildung erhöt werden. Meistens gibt es nur ein oder maximal zwei Angebote. Dies wird der weiten kulturpädagogischen Landschaft jedoch kaum gerecht. Einen Überblick und eine professionelle Einsicht in die Kulturpädagogik findet in der pädagogischen Ausbildung kaum statt. Zumindest nehme ich sie nicht wahr.

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