Dein Status in der Gruppe!

Dein Status in der Gruppe!

Dies ist ein Gastbeitrag von Sarah Bansemer.

Wir Menschen haben alle eine Vorstellung im Kopf, wenn wir den Begriff Status hören. Diese Vorstellung ist in der Regel mit dem gesellschaftlichen bzw. sozialen Status einer Person verbunden. Der gesellschaftliche Status wird stark durch Beruf (oder die berufliche Position), die Herkunft, das Vermögen, den Bildungsgrad und weitere Lebensumstände eines Menschen definiert.

Dieser Status wird unterstützt durch zusätzliche Merkmale, die wir dieser Position zuschreiben: Kleidung, Fortbewegungsmittel, Hobbies usw.

All diese Elemente helfen uns, den Status einer Person schnell festzustellen. Aber warum ist uns das so wichtig? Weil wir wissen wollen, wie wir uns der anderen Person gegenüber einordnen. Welche Hierarchie wir herstellen wollen, müssen oder können.

Foto von Sarah Bansemer

So entsteht Status

Und hier wird es spannend: all diese Symbole wie Kleidung und Beruf definieren das Bild, das wir von einem bestimmten Status haben. Dennoch kann sich der Status, den wir einer Person aufgrund ihres Äußeren oder dem, was wir über sie wissen, sofort verändern, wenn das Verhalten nicht diesem äußeren Bild entspricht.

Zu unserer Status-Wahrnehmung gehört also noch mehr. Wir achten auf Mimik, Gestik, Bewegung, Körperhaltung, Wortwahl und Tonfall des Gegenübers. Und diese Elemente wirken unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild.

Wären wir alle nackt, könnten wir anhand dieser Beobachtungen trotzdem in Sekundenschnelle festlegen, wer einen hohen und wer einen niedrigen Status hat.

Verhalten ist Kommunikation

Wenn wir von der alltäglichen Kommunikation miteinander, aber auch von der Kommunikation mehrerer Figuren beim Theaterspiel, von Status sprechen, ist der treffendere Begriff „Status-Verhalten“. Eigentlich kann man Status-Verhalten am besten mit Dominanz und Unterwerfung beschreiben, doch diese Begriffe sind in unserem Sprachraum recht negativ geprägt.

Wenn wir von der alltäglichen Kommunikation miteinander, aber auch von der Kommunikation mehrerer Figuren beim Theaterspiel, von Status sprechen, ist der treffendere Begriff „Status-Verhalten“. Eigentlich kann man Status-Verhalten am besten mit Dominanz und Unterwerfung beschreiben, doch diese Begriffe sind in unserem Sprachraum recht negativ geprägt.

Keith Johnstone (Bild von Wikipädia)

Keith Johnstone, ein Begründer des modernen Improvisationstheaters und des Theatersports, hat für dieses Machtverhalten den Begriff „Status“ geprägt, denn Menschen verbinden intuitiv bestimmte Verhaltensweisen mit dem Wort.

Unsere Erscheinung, Körperhaltung, Gestik, Mimik und Stimme lässt uns je nach Situation mal überlegen und mal unterlegen sein.
Mal sind wir oben, mal sind wir unten, also mal im Hoch- und mal im Tiefstatus. Dieses Machtgefälle funktioniert unabhängig vom gesellschaftlichen Status und wird jeden Tag von uns in unterschiedlichsten Varianten erlebt – mal bewusst, mal unbewusst, mit Freunden, Familie, Arbeitskollegen und Fremden. Mit jeder Person, der wir begegnen, verhandeln wir ständig den Status neu aus.

Status ist also nicht statisch, im Gegenteil

Status wechselt ständig – von Satz zu Satz, von Geste zu Geste, von Blick zu Blick.

Im Gegensatz zu unserem gesellschaftlichen Status, der durch unsere Lebensumstände geprägt und oft relativ feststehend ist, haben wir den Vorteil, dass wir den Verhaltens-Status jederzeit ändern. Damit spielen und auf diese Weise authentischer, offener und selbstbewusster mit anderen umgehen können.

Je flexibler wir in unserem Status-Verhalten sind, desto einfacher wird unsere Kommunikation und desto unnötiger werden Status-„Kämpfe“ oder Machtspielchen. Kommunikation auf Augenhöhe definiert sich dabei nicht durch den gleichen Status – wir haben nie gleichzeitig den gleichen Status, dazu sind wir als Menschen zu verschieden –. Stattdessen definieren wir uns durch die Abwechslung, wie auf einer Wippe. Einer geht höher, der andere tiefer, danach wird getauscht. Und so immer weiter.

Foto von Sarah Bansemer

Erweitere deinen Handlungsspielraum

Können wir Status-Verhalten lernen?
Status-Verhalten ist keine Methode, die wir erlernen können. Wir können es bereits, es gehört zu unserer Persönlichkeit. Allerdings ist uns dieses Können nur selten bewusst.

Wir können aber ein Bewusstsein schaffen, Status-Verhalten wahrzunehmen, zu beobachten und den eigenen Handlungspielraum zu erweitern.

Gleichzeitig verfügen wir über ein breites Repertoire an körperlichen Verhaltensmöglichkeiten und Bewegungen, die wir beliebig miteinander kombinieren. Wir senden deshalb oft gemischte Signale, wenn Tief- und Hochstatusgesten gleichzeitig gezeigt werden. Je genauer wir uns selbst und die anderen beobachten, desto feiner können wir auf unser Gegenüber reagieren.

Wie hilft Status bei der Leitung von Gruppen?

Als Gruppenleitung hilft es uns enorm, gut mit dem eigenen Status-Verhalten spielen zu können. Ein Gespür für unsere Körpersprache (inkl. Stimme) zu haben, und diese auch mal gezielt einsetzen zu können, um z.B. dem Gegenüber mehr Raum und Führung zu übergeben oder im Gegenteil selbst Respekt einzufordern.

Zusätzlich können wir auch mit den Teilnehmenden einer Gruppe Status-Übungen und -spiele ausprobieren, um alle für ihre Wirkung aufeinander zu sensibilisieren.

Foto von Sarah Bansemer

Online-Workshop

In Sarahs Online-Workshops „Machtspielchen“ (Werbung) probieren die Teilnehmenden aktiv Status-Verhalten in improvisierten Gesprächsszenen aus, schlüpfen dabei in verschiedene Status-Rollen und reflektieren die gemeinsamen Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten.

Mehr Infos dazu findet ihr hier:

https://www.sarah-bansemer.de/status/workshopstrainings (Werbung)

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