Augusto Boal und das Theater der Unterdrückten

Augusto Boal und das Theater der Unterdrückten

Wie können gesellschaftliche Normen und Werte mit Theatertechniken hinterfragt werden? Und kann Theater Unterdrückung und Mobbing in Schule und Gesellschaft aufzeigen und bekämpfen? Das alles geht mit Theatertechniken von Augusto Boal.

Augusto Boal war Regisseur und gilt als einer der Urväter der Theaterpädagogik. Mit seinem Theater der Unterdrückten hat er gleich mehrere Theatertechniken entwickelt, die Unterdrückungen für die Menschen sichtbar machen und ihnen hilft dies zu bekämpfen. Da es sich um eine Vielzahl von Techniken handelt, werde ich ihm eine Reihe von Blogbeiträgen widmen.

Themen der Reihe werden sein:

In diesem Beitrag geht es zunächst um die Person Augusto Boal. Um seine Techniken besser zu verstehen, ist es wichtig, zumindest die Biografie Augusto Boals zu kennen.

Augusto Boal

Augusto Boal wurde 1931 in Rio de Janeiro geboren und starb am 2. Mai 2009 im Alter von 78 Jahren in seiner Heimatstadt an den Folgen einer Leukämieerkrankung. Ende der 1940er bis Anfang der 1950er-Jahre studierte er Chemie und Theaterwissenschaften an der Columbia University in New York.

Da Augusto Boal gezwungen war, Brasilien zu verlassen, ging er unter anderem von 1977 – 1979 nach Europa und verbreitete auch dort das „Theater der Unterdrückten“. Dadurch wurde die Technik Welt weit Bekannt und fand viele Anhänger. So erhielt er unter anderem mehrere Preise und wurde sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Boals Theater „Theatre de Arena“

Mit 25 Jahren gründete er das „Theatre de Arena”. Gleichzeitig bildete er dort Schauspieler aus, die auf der Bühne „wie der Mann auf der Straße“ sprachen. Die Schauspieler standen auch nicht auf einem erhöhten Bodest, sondern knieten auf dem Boden, um „Auf Augenhöhe“ mit dem Zuschauer spielen zu können.

Wir fingen an, wirklichkeitsnahes Theater zu machen, unser Regisseur war die Realität. Unsere Schauspieler sprachen wie der Mann von der Straße.

Augusto Boal im Interview. Aus: Augusto Boal. Theater der Unterdrückten. Edition Suhrkamp Verlag, S. 158

Für Boal war die Veränderung wichtig. Weshalb er sich viel von Bertolt Brecht abschaute, und erweiterte seine Techniken. Augusto Boal wollte nicht nur, dass der Zuschauer aus den Stücken etwas lernt, er wollte die Barriere zwischen Zuschauer und Schauspieler möglichst auflösen und Theater für jeden zugänglich machen. Im Forum Theater löste er die Barriere vollkommen auf.

Die Parallelen zwischen Boal und der Theaterpädagogik

Wie Boal, spielen theaterpädagogische Stücke auf „Augenhöhe mit dem Zuschauer“. Denn für sie ist Theater für den Zuschauer gemacht und erreicht ihn auf einer künstlerisch-bildenden Ebene. Damit er möglich Theater eine andere Sichtweise auf die Dinge, die das „Unsichtbare Theater“ noch mehr verdeutlicht.

Gleichzeitig möchte die Theaterpädagogik auch den Schauspieler erreichen, indem sie ihn durch Schauspielübungen Gefühle nachempfinden lässt. Augusto Boal ermöglichte dies durch das Statuten Theater.

Wie bildete Augusto Boal die ZuschauerInnen? Vor der Entwicklung des „Theater der Unterdrückten“ spielten die Schauspieler nicht nur auf Augenhöhe mit dem Zuschauer. Denn auch die Stücke spiegelten die brasilianischen Zustände wider. Da die Technik des „Zeitungstheater“ die Probleme verdeutlicht, indem Zeitungsartikel theatrale Inszeniert werden.

Darüber hinaus inszenierte Boal sozial kritische Stücke, von Autoren wie:

  • Sidney Howard
  • Berthold Brecht (vor allem die Lehrstücke)
  • Sean O’Chsey (Ich klopfe an)
  • Johan Steinbeck (von Mäusen und Menschen).

Das Ende und der Anfang von Augusto Boals Theater

Die Stücke und die Situation von Augusto Boals änderten sich schlagartig. Denn 1964 kam es zu einem Militärputsch, der die linke Präsidentschaft von João Goulart beendete. Anschließend besetzte der rechte Präsident Humberto Castelo Branco den Posten.

Gewerkschaften und Studentenbewegung mussten schließen. Außerdem wurden Theater und Film zensiert. Boal musste sein Theater aufgeben, da die Regierung ihm praktisch die weitere Betreibung unmöglich machte.

Theater auf dem Land

Aufgrund der politischen Situation verlagerte Augusto Boal die Aufführungen von der Stadt ins Land.

Das Ensemble spielte von nun auf Dorfplätzen, Kirchentreppen oder Lastwagen. Die Technik wurde meist improvisiert.

Brecht half uns als Theoretiker, vom Zirkus lernten wir das spielerische, und er verschaffte uns gleichzeitig den Zugang zum Zuschauer.

Augusto Boal im Interview. Aus: Augusto Boal. Theater der Unterdrückten. Edition Suhrkamp Verlag, S. 158

Aber die Polizei unterbrach immer wieder die Aufführungen oder beendeten sie ganz. Dabei nahm sie auch Schauspieler inhaftiert. Und auch Boal selbst musste später in Haft.

Boals Flucht ins Exil

Am 17.03.1971 entführte die Regierung Boal und folterte ihn. Aufgrund diplomatischer Proteste anderer Staaten konnte Boal das Gefängnis nach drei Monaten verlassen. Aber nach seiner Freilassung floh er nach Portugal ins Exil.

Dort begann seine Reise und die eigentliche Entwicklung das „Theater der Unterdrückten“. Nur das Zeitungstheater entwickelte Boal in Brasilien. Alle anderen Theaterformen, wie Unsichtbares Theater, Statuentheater und Forumtheater, entwickelte Boal im Exil. Aber alles basiert auf den Ideen von Paolo Freire.

Schluss

Ich bin selbst ein großer Fan von Augusto Baol und seiner bewegenden Geschichte. Wie sieht es bei Dir aus? Was möchtest Du gerne noch über Augusto Boal wissen? Schreib es in die Kommentare.

Was Augusto Boal in Lateinamerika und nach seiner Flucht in Europa erlebte, ist unfassbar und gut im heutigen Buchtipp beschrieben. 

Buchempfehlung

Das Buch Autusto Baol. Theater der Unterdrückten vom Suhrkamp Verlag ist eine ausführliche Literatur zu diesem Thema. Das buch beinhaltet die Entwicklung seiner Techniken und an praktischen Beispielen aus seinen Erlebnissen in Lateinamerika und Europa verdeutlicht.

Das Buch behandelt alle Techniken: Forumtheater, Zeitungstheater, Unsichtbares Theater und Statuentheater.

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