Statuentheater – Theater der Unterdrückten: So findest du Lösungen mit deinen Adressat*innen

Statuentheater – Theater der Unterdrückten: So findest du Lösungen mit deinen Adressat*innen

Es gibt Dinge, die können wir nicht in Worte fassen. Dann helfen oft Bilde. Nicht ohne Grund gibt es das Sprichwort: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Statuentheater ist eine Theaterform, die genau an dieses Sprichwort anknüpft und den Menschen mithilfe von Bildern, Lösungsmöglichkeiten eröffnet. Denn Bilder drücken Sachverhalte plastischer aus, als Worte.

Theater der Unterdrückten

Statuentheater ist eine Theaterform des „Theater der Unterdrückten“. Entwickelt wurde es von Augusto Boal und ist damit ein Teil der Reihe des „Theater der Unterdrückten“.

Augusto Boal war Regisseur und gilt als einer der Urväter der Theaterpädagogik. Mit seinem Theater der Unterdrückten hat er gleich mehrere Theatertechniken erarbeitet, die ich in einer Themenreihe näher erläutere.

Themen der Reihe sind:

Sobald ich ein Thema online gestellt habe, werde ich es hier verlinken. In diesem Beitrag stelle ich das Statuentheater vor.

Was ist Statuentheater

Beim Statuentheater wird ein Bild zu einem vorher festgelegtes Thema/ Unterdrückung dargestellt, um im Anschluss eine Lösung für die Unterdrückung zu finden. Die Darsteller bauen das Bild. Ein „Bildhauer“ stellt sie wie Statuen auf. Jede Statue wird damit zu einem Symbol zu einer bestimmten Rolle. Der Bildhauer ist immer eine Person, die jeweils ihr Bild erstellt, oder ein bestehendes Bild verändert. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle Teilnehmenden in Bildern denken und nicht in Worte. Es gilt also schnell ein Bild zu erstellen.

Augusto Boal hat ein entsprechendes Beispiel:

„Ich erinnre mich an eine Psychodrama-Sitzung, in deren Verlauf eine junge Frau immer wieder auf die Schwierigkeiten mit ihrem Freund zu sprechen kam: „Er ist auf mich zugekommen, hat mich umarmt und dann.“ Eines Tages wurde sie gebeten, diese Szene zu spielen. Das sah so aus: Der Freund kommt auf sie zu, sie verschränkt die Arme über der Brust, als wolle sie sich abschirmen, während er sie an sich zieht. Die ganze Zeit hatte sie die Hände zu Fäusten verkrampft, in Verteidigungsstellung. Da erkannten wir, wie ihre Art der Umarmung aussah, und konnten endlich aus ihre Probleme mit ihrem Freund verstehen.“

Augusto, Boal (2016). Theater der Unterdrückten. 7. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. S.55f.

Dieses Beispiel zeigt, wie Statuentheater funktioniert. Die Szene wurde nicht gespielt. Die Frau zeigte lediglich die Umarmung. Zwei Personen kreierten ein Bild zusammen, so sah und verstand jeder das eigentliche Problem. Statuentheater funktioniert genau so!

Photo by Tobias Bjerknes on Unsplash

Die Drei Bilder (Realbild, Idealbild, Übergangsbild)

In drei Schritten wird eine Lösung gefunden, die vom Realbild ins Idealbild übergeht. Den Transfer zwischen beiden Bildern wird mit dem Übergangsbild dargestellt.

1. Realbild

Die Gruppe erarbeitet anhand eines Themas ein Realbild. Das Realbild zeigt einen Ist-Zustand, mit der Frage: wie wird die Situation aktuell empfunden. Dieses Bild soll aus Sicht eines jeden Teilnehmenden das ausgewählte Thema bildlich widerspiegeln. Es muss ein Konsens zwischen alle Beteiligen hergestellt werden. Alle Teilnehmenden müssen der Meinung sein, dass das Bild das Thema aus ihrer Sicht darstellt. Erst wenn dies der Fall ist, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden.

2. Idealbild

Nun gilt es das Idealbild gemeinsam zu finden. Das Idealbild zeigt jetzt, wie sich die Situation ändern soll. Wie soll die Zukunft später aussehen. Dieser Punkt ist sehr wichtig, da oft Menschen konkret sagen können, was sie stört. Aber oft haben sie keine Vorstellung, was sich ändern soll. Die Teilnehmenden drücken die Wunschvorstellung in einem Bild aus, dass den Konsens aller widerspiegelt.

3. Übergangsbild

Das Übergangsbild ist nun die Frage nach dem „wie“. Wie können wir vom Realbild zum Idealbild kommen? Dieser Übergang wird nun aber nicht mehr bildlich dargestellt, sondern theatralisch gespielt. Der Übergang wird Szene für Szene gespielt.

Dies ist die eigentliche Arbeit. Den Übergangsweg zu finden ist nicht einfach, kann aber mit Improvisationstheater gefunden werden. Gleichzeitig muss sich die Gruppe auch hier wieder einig werden. Der Übergang muss alle zufrieden stellen.

Photo by Morning Brew on Unsplash

Der Lösungsorientierte Ansatz

Das Statuentheater setzt überwiegend an zwei sozialpädagogischen Konzepten an: der Konstruktivismus und der Lösungsorientierter Ansatz.

Mehr Informationen über den Konstruktivismus findest du im Beitrag über die ästhetische Bildung. Der Lösungsorientierte Ansatz ist eine Methode, die dein Gegenüber auf das Finden von Lösungen fokussiert, anstatt Probleme zu analysieren.

Der Lösungsorientierter Ansatz

Das Reden über Probleme erzeugt neue Probleme, das Reden über Lösungen erzeugt neue Lösungen.

Der Lösungsorientierte Ansatz in der Sozialarbeit basiert auf den Ideen der Lösungsorientierten Kurztherapie von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg.

Nach der Schilderung des Problems erörtert alle Teilnehmenden, wie die Lösung idealerweise aussieht. Sind diese beiden Bilder (Realbild und Idealbild) ermittelt, lenkt die Fachkraft die Aufmerksamkeit des Ratsuchenden auf die positiven Erfahrungen und früheren Erfolge. Gemeinsam arbeiten beide heraus, wann es weniger Problematisch war. Allein diese Unterhaltung kann dem Ratsuchenden helfen, eine Lösung für das Problem zu finden.

Der Ansatz basiert also auf den Kräften und Ressourcen des Ratsuchenden. Kennzeichen für diese Beratung ist das Vertrauen in diese eigenen Kräfte sowie das Fördern von Selbsthilfepotenzialen.

Augusto Boals Statuentheater fundiert auf der gleichen Methode. Die Gruppe ermittelt das Problem und such nach der Lösung. Zum Schluss wird gemeinsam der Lösungsweg erörtert. Aus diesem Grund kann diese Methode einfach auf die Sozialpädagogik übertragen werden.

Fazit

Statuentheater ist einfach zu praktizieren. Der wirklich schwere Teil ist das Übergangsbild. Im gesamten Prozess von Problembeschreibung, bis zum Lösungsweg sollte der Theaterpädagoge nach dem Lösungsorientierten Ansatz handeln. Ein weiterer Vorteil des Statuentheaters ist, dass die Bilder Gedanken sichtbar machen können, die von Worten niemals so dargestellt werden können. Denn Worte können unterschiedlich interpretiert werden. Aus diesem Grund assoziiert jeder Mensch Worte unterschiedlich. Das Statuentheater erschafft zwischen diesen unterschiedlichen Interpretationen einen Konsens. Da dieser Konsens oft Gegenstand der Sozialen Arbeit und Pädagogik ist, eignet sich diese Theatertechnik auch für diese Bereiche.

Das Buch Augusto Boal. Theater der Unterdrückten vom Suhrkamp Verlag ist eine ausführliche Literatur zu diesem Thema. Das Buch beinhaltet die Entwicklung seiner Techniken und an praktischen Beispielen aus seinen Erlebnissen in Lateinamerika und Europa verdeutlicht.

Das Buch behandelt alle Techniken: Forumtheater, Zeitungstheater, Unsichtbares Theater und Statuentheater.

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